Traumhaft schöne Sommer -
Am Samstag Abend ertönte in der vollbesetzten Melanchthonkirche ein erlebnisstarkes und in jeder Beziehung glanzvolles Konzert. Es ist alleine eine Herausforderung Musikwerke aus fünf Jahrhunderten an einem Abend vorzutragen. Dies gelang musikalisch hinreißend gut und technisch nahezu perfekt. Daran hatten die Instrumetalmusiker beachtlichen Anteil, wie die Bläser des „Auenwald-Brass-Ensembles, Stefan Clauß, Thomas Markl (Trompete), Udo Schienmann, Benjamin Stäbler + Dirigent Siegfried Schmidgall (Posaune), Andreas Schienmann (Pauke). An der Orgel und auf dem Klavier brillierte Klaus Schulten. Sie spielten solo Partita für fünf Stimmen von Melchior Franck und Michael Praetorius, das Praeludium G-Dur Op. 37, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie bildeten mit dem Chor eine wundervolle Einheit von vertiefter darstellerischer Ausdruckskraft für kunstvoll und sieghafte gesangliche Kraft. Schon eingangs beim durchdachten Aufstellen des Vokal-Ensembles erklang quasi im Vorbeigehen Alta Trinita Beata, ein Jahrhunderte altes italienisches Kirchenlied. Der schöne Effekt war einzelne, wunderschöne Stimmen aller Lagen hören zu können, was danach, genau so anmutig, so nur noch als gesamtes zu hören war. Der Chor präsentierte sich mit seinen über 80 Sängerinnen und Sängern in jeder Empfindungsphase einmalig im oft dramatisch durchpulsten Gesang und ganz nach dem exakten Einsatz des Dirigenten. Dieser holte alle prachtvollen stimmlichen Mittel aus dem Ensemle, dem die virtuose Beherrschung aller Lagen und Modulationsansprüche scheinbar mühelose Selbstverständlichkeit war. Schon fast majestätisch erklangen u. a. „Lobe den Herrn meiner Seele“ von Heinrich Schütz, der „Lobgesang“ von Gabriel Faure` und ein Werk des Deutschen Herrgottmusikers Anton Bruckner, Locus iste und Christus factus est pro nobis. Und „Singet dem Herrn“ von Johann Prachelbel. Nach der Pause hörten wir ein phänomenales „Nun danket alle Gott“ von John Rutter. „I will bless the Lord“ von Frank Hermandez in englischer Sprache. Aus Johann Brahms „Zigeuenerliedern“ sehr schöne Sätze bis hin zur „Stillen Nacht.“ Zum Finale erklang von Franz Schubert der „Hirtenchor“, wiederum einmalig schön. Siegfried Schmidgall erwies sich auch bei der durch frenetischen Applaus geforderten Zugabe als ein überaus temperamentvoller Chordirigent und Vollblutmusiker, der es den ganzen Abend souverän verstand, die Chorsänger für die Werke einfühlsam zu begeistern und sie auf deren Eigenarten perfekt einzustellen. Mit dem Vokalensemble Gaienhofen erlebten die begeisterten Zuhörer lauter polyphone Kostbarkeiten, der Eindruck der musikalischen Auslegung durch den Dirigenten war überwältigend. Mit überaus sicherem Stilgefühl gab er den Partituren oft fast oratoriumshafte Breite und unterließ jegliche Haschen nach äußeren Effekten. Die Begleitung durch die Instrumentalisten war grandios. Ein einziges Erlebnis! Werner A. Steinkeller |
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