Der Südkurier vom 20.12.2006 Sinnbild von Händels Grundgedanken In der erprobten Zusammenarbeit von Schule und Verein hat Händels "Messias" in Gaienhofen eine Aufbereitung erfahren, die hohen Respekt herausforderte. Mit stehenden Ovationen bedankten sich die Zuhörer in der Melanchthonkirche. Dirigent Siegfried Schmidgall hatte mit der Kantorei der Evang. Internatsschule Schloss Gaienhofen, des Vokalensembles und der Klassischen Philharmonie Gaienhofen Händels Oratorium auf den Punkt einer überzeitlichen Klangsprache gebracht. Das Werk wurde auch in der Liebfrauenkirche in Singen aufgeführt. Es ist jenes Werk, von dem man einst in England sagte, es habe unter anderem durch Benefiz-Aufführungen für ein Findelhaus Hungrige gespeist, Nackte bekleidet, Waisen versorgt und "eine Reihe von Unternehmern mehr bereichert als irgend ein anderes musikalisches Produkt." Gleich einer gesteigerten Kantate empfand der Besucher die tönende Auslegung der Heiligen Schrift. Das Solisten-Quartett erwies sich als Instrumentarium der Verkündigung. Dirigent Siegfried Schmidgall bündelte das dreiteilige, leicht gekürzte Oratorium zu einer übergeordneten Einheit. Weihnachtsgeheimnis, Leidensgeschichte und die Zukunft der Christenheit gingen nahtlos und perfekt ineinander über. Nach dem Halleluja-Chor, Ende des zweiten Teiles des Konzertes, dürfte es so manchem Zuhörer ein Bedürfnis gewesen sein zu applaudieren, so überzeugend-kompakt kam es über die Lippen der vereinigten Chöre der Kantorei und des Vokalensembles. Prächtige Soprane, deutlich vernehmbare Alte, sichere Tenöre und Bässe spiegelten Händels Augenblick, als er dieses Allegro zu Papier gebracht hatte. Jedes Pompöse vermeidend, sorgte Siegfried Schmidgall für ein harmonisches Grave. Brachte mit dem Allegro moderato lebhaft die kraftvoll fugierte Ouvertüre auf Zug. Trost spendete Tenor Markus Barth aus Solothurn im E-Dur-Larghetto, "denn die Herrlichkeit Gottes" wurde durch den mit Trompete und Pauken bestückten Allegro-Chorus, bestätigt mit den Schlusstakten des Adagio. In profunder Bestimmtheit verkündete Bass Stephan Storck aus Stuttgart das Versprechen, wonach sich Trost für alle Völker einstellen werde. Altistin Nicole Fazler aus Singen stellte in dem zu einem Andante hinneigenden Larghetto die Frage "Doch wer wird ertragen den Tag seiner Ankunft, wenn entflammt des Läuterers Feuer? Bekräftigung der Solostimme kam attacca aus den Kehlen des Chores ("O du, die Wonne verkündet"). Stephan Storck erwies sich in seiner Arie "Das Volk, das da wandelt im Dunkel" als intensiv nachempfindender Bass. Der musikalische Kontrast folgte auf dem Fuße - mit dem prächtig ablaufenden Chor und dem Gesang "Denn es ist uns ein Kind geboren". Zum Abbild der heiligen Nacht wurde das Orchesterstück der Hirtenmusik. "Ehre sei Gott" schallte in seinen Chor-Einwürfen nahtlos durch das Gotteshaus, und mit engelsgleichem Sopran frohlockte Sonja Erwied aus Düsseldorf über das Heil, das allen Völkern zuteil werden wird. Szenenwechsel zum Dunkel von Christi Leiden. Konsequenz eines souveränen Dirigats von Siegfried Schmidgall: Die gut vorbereiteten Verzögerungen des Zeitmaßes, wie in der Alt-Arie "Er ward verschmähet", wie mit den dramatisch akzentuierten Einwürfen des Chores "Missetat" und der bildhaft nachgezeichneten Kontrapunktik im Alla-breve-Chor "Durch seine Wunden". Der dritte Teil von Händels Oratorium wurde durch die Sopranistin mit dem Gesang "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" eingeleitet. Mit der bestens herausgesungenen Bass-Arie "Sie schallt, die Posaun" und mit der Chor-Fuge "Amen" fand das Konzert einen überzeugenden Abschluss."Amen", so sei es, so ist es beim begeisterten Publikum in der Gaienhofer Melanchthonkirche gewesen, unter dem Motto, wonach ein gnädiger Gott thront über freien Menschen, dem Sinnbild des Händelschen Grundgedankens. Gerhard Hellwig |
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