Der Südkurier vom . Juli 2003 Erfolgreiches Sommerkonzert Das Konzert des Vokal-und Instrumentalensemble Gaienhofen unter Siegfried Schmidgall in St. Meinrad lockte rund 300 Zuhörer
Dirigent Schmidgall folgte Mozart, indem er mit einer kompakt gebauten Brücke zwischen dem „Kyrie" und dem abschließenden „Agnus Dei" den Kreis der homophonen Behandlung der Stimmen und der Eingänglichkeit des Thematischen einhörbar schloss. Das Andante maestoso der Missa C-Dur empfand man wie einen Startschuss moderner Einsichten. Generell war es die durchgängige Dynamik-Abstufung, die dem Werk den Stempel aufdrückte. Dafür war das „Credo" das herausragende Beispiel. Dem „Sanctus" schien Siegfried Schmidgall weltliche Züge zu geben. Darin waren ihm die vorzüglichen Blechbläser, vor allem die Posaunen, willkommene Zulieferer. Der Chor in homogener Klangfülle, das Orchester (Konzertmeister Niklaos Ormanlidis) von bester Präzision erfüllten Wunschvorstellungen glückhafter Umsetzung. Sonja Erwied, anstelle der angekündigten Caroline Melzer, war naturgemäß die führende Kraft im Solistenquartett (Barbara Kasper/Gunter Katzenmaier/ Heiko Dierschke). Im „Agnus Dei" leuchtete ihr technisch makellos geführter Sopran engelsgleich. Schon zuvor, im „Let the Bright Seraphim" aus Händels Oratorium „Samson" verbreitete sie in aufforderndem Vertrauen jene Zuversicht, ohne die jegliches Leben wenig Sinn macht - assistiert von der Strahlkraft der Trompete (Andre Pfitzenmaier). Bach zum Anfang des Konzerts: Die viel strapazierte Suite Nr. 3 in D-Dur klang unter Siegfried Schmidgall wie neu. Klasse die Klassische Philharmonie im charakteristischen Ausloten der Sätze: Festlich, von den Trompeten klanglich erhöht, die Ouvertüre; das so beliebte „Air" mit Minimal-Crescendi, angedeuteten Ritardandi und einem Legate, das jeglichem Ton die Eigenständigkeit beließ. Ein Hörvergnügen die stilisierten Tanzsätze von Gavotte, Bourrée und Gigue. Zum Überraschungsgeschenk wurde die Motette „Das ist meine Freude" von Johann Ludwig Bach, einem Vetter Johann Sebastians aus der „Meininger Linie". Text und Musik wurden in ihrer gegenseitigen Inspiration durch den Chor zu „Lebendigkeit und Farbigkeit" hochgefahren. Galanterie beherrschte die vierstimmige Szene der frohlockenden Kantate von Telemann. Matthias Braun war der Solist im Concerto B-Dur von Tommaso Albinoni. Was im Original für eine Oboe geschrieben ist, blies der Trompeter in verwandter Schlankheit zu einer Oboe. Und Schmidgalls Auftakte für Streicher und Basso continuo waren verbindlich für den Gesamtverlauf der sinfonischen Vorahnung Albinonis. Einen Sonderapplaus erblies sich Mareike Kirchmann im F-Dur-Konzert für Blockflöte von Telemann. Mit sauberer Tongebung, geschwinden Laufpassagen, mit Kantabilität und behender Fingerfertigkeit. Einfach meisterlich, diese junge Mareike Kirchmann! Und von nachhaltiger Wirkung ohne Einschränkung alles, was auf dem Programm stand, in St. Meinrad, benannt nach dem Heiligen und Märtyrer, von dem Goethe sagte: „Es muß ernste Betrachtungen erregen, dass ein einzelner Funke von Sittlichkeit und Gottesfurcht ein immer brennendes Flämmchen entzündet hat..." GERHARD HELLWIG |
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