Der Südkurier, Ausgabe Radolfzell Von Zweiflern und Gläubigen Herz für etwas haben, das ist löblich. Zum Beispiel für Kinder, namentlich für Kinder dieser Welt, die unverschuldet in Not geraten sind. Für Kinder, für die Schule ein Fremdwort ist. 100 Millionen sollen es sein. Die Steigerung von Herz ist die Tat. Unicef, 1946 in New York gegründet und in Deutschland nunmehr 50 Jahre in Sorge um Kinder tätig, lässt nicht nach, Nöte zu lindern. Gaienhofen hat sich eingereiht in die Schar der Unicef-Arbeitsgruppen - mit einem Benefiz-Weihnachtskonzert des Vokalensembles und der Evang. Internatsschule Schloss Gaienhofen in der Melanchthonkirche. Sabine Müller-Esch, Unicef-Beauftragte, bedankte sich; der Erlös der Veranstaltung komme jenen Kindern zugute, die auf den schützenden Raum einer Schule warten, nicht nur das, auch auf das Notwendigste des Alltags. Dieter Toder, kommissarischer Leiter des Internatsgymnasiums: "Sie alle haben mit dem Eintrittsgeld etwas dazu beigetragen, dass Not leidenden Kindern geholfen werden kann." Selbst die letzten Plätze in der Kirche waren besetzt, als die Minikantorei den zweistündigen Musikreigen einstimmend eröffnete - mit "Fröhliche Weihnacht überall" die frohe Botschaft freudig verkündend und mit "Born today is the holy child". In Händels "Tochter Zion", von Orgel und Bläsern begleitet, wurden die Zuhörer zu Mitwirkenden. Dass im Lehrstoff der Internatsschule Musik einen hohen Stellenwert hat, haben die Schüler immer wieder bewiesen, so auch vor einem Jahr an gleicher Stelle mit dem traditionellen Weihnachtskonzert. Diesmal war das Schulorchester mit Saxophonen, Flöten, Posaune, Klarinetten, Akkordeon, Schlagzeug bestückt, um der "South American Christmas Suite" von Luigi di Ghisallo das spezifische Kolorit südamerikanischer Folklore, Pastoralweisen und Gospel-Rock zu geben. Eine Mezzosopranistin verlieh den Kompositionen Erzählcharakter. Die beiden Musikverantwortlichen, Siegfried Schmidgall und Gotthard Hugle, hatten ganze Vorarbeit geleistet. Vor allem für das Herzstueck des Programms, für die "Weihnachtskantate" von Klaus Wüsthoff. Gesangssolisten, Band, Gastinstrumentalisten und Vokalensemble Gaienhofen unter Schulkantor Schmidgall machten die Wiedergabe des Werkes zu einem singulären Ereignis, vor allem durch die konzentrierte, unmittelbare Vermittlung der Schüler. Was Pfarrer Frank Fichtmüller zum Verständnis der Kantate informierend vorausgeschickt hatte, stellte sich ein - ein gleichsam szenisch wirkender streitbarer Dialog zwischen Gläubigen und Zweiflern, gleich einer Spurensuche nach dem Sinn des Weihnachtsfestes. Deklamierend versetzte ein Schüler das Publikum "in jene Zeit, in die Tage des Kaiser Augustus, als alle Welt geschätzet werde". Die Chorgemeinschaft in zwei Blöcken, von Scheinwerfern rot oder blau fokusiert und so wusste man, wer gerade das Wort führte. "Es geht um die Verheissung", so die Gläubigen. "Jetzt geht der Weihnachtsrummel wieder los", die Zweifler. Die "blaue" Gruppe konterte: "Freue dich, o Christenheit". "Immer diese alten Legenden", lächerlich, ein Kind soll die Probleme der Welt lösen, die "Roten". "Ehre sei Gott in der Höhe" die Entgegnung. Der heftige Streit findet sein Ende - "Freude, Freude, nichts als Freude" hallt es hymnisch durch das Gotteshaus. Grosse Anerkennung für ein Weihnachtskonzert der besonderen Art - das weltliche Anliegen von Unicef hatte musizierend obsiegt. Eine Bürgerbewegung für die Rechte der Kinder ist auch im Jahre 2003 lebendig - Beispiel: Gaienhofen. Gerhard Hellwig |
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Ebenfalls im Südkurier: Hilfe für Kinder in Kriegsländern Benefizkonzert des Vokalensembles erbringt 3150 Euro zugunsten von Unicef Gaienhofen (ae) Respekt und lobende Worte zollte der Schulleiter der evangelischen Internatsschule Gaienhofen, Dieter Toder, dem Engagement der Sänger des Vokalensembles, die gemeinsam mit der Minikantorei und Musikern unter der Leitung von Kantor Siegfried Schmidgall bei zwei weihnachtlichen Benefizkonzerten zugunsten von Unicef den stattlichen Betrag von 3150 Euro erspielten. Mit Freude stelle er fest, dass die Kooperation Schule - Verein Früchte trägt. Die musikalische Bildung und Ausbildung an der Schule, angefangen bei der Minikantorei, gehöre zu einem der tragenden Elemente an der Intematsschule. Gemeinsame Projekte wie die beiden Benefizkonzerte, welche solch großartige Erfolge zeitigten, hätten echte Vorbildfunktion für die weitere Zusammenarbeit von Schule und Verein. Erich Windhab, Vorsitzender des Vokalensembles Gaienhofen, erinnerte daran, dass in den Statuten des Vereins auch der soziale Aspekt enthalten sei. So sei die Bereitschaft zu einem Benefizkonzert spontan und mit Überzeugung erfolgt. Mit dem finanziellen Beitrag wolle man mithelfen, Not zu lindern bei denen, die es am nötigsten haben: den bedürftigen Kindern der Welt. Spende so hoch wie nie Überraschte Freude über die Höhe des Betrags sprach aus den Worten von Sabine Müller-Esch, der Leiterin des Unicef-Kinderhilfswerks in Konstanz. Noch nie habe sie einen Scheck in solcher Höhe in Empfang nehmen dürfen; das Ergebnis der beiden auch musikalisch so herausragenden Konzerte zugunsten von Unicef erfülle sie mit großer Dankbarkeit. Den Mitgliedern des Chores, den Schülern und den Musikern, gelte ihr Dank, ganz besonders den verantwortlichen Leitern, die die Benefizveranstaltung ermöglichten.
Hilfe dringend nötig Mit dem Geld sollen Schulen für Kriegs- kinder in Krisengebieten der Welt unterstützt werden. Zwar gebe es auch in Deutschland viele Kinder, die Unter- stützung nötig haben, doch hierfür seien die politisch wirkenden Kräfte im Land gefordert und in der Lage. In den Kriegsländern hingegen seien die Voraus- setzungen weitgehend zerstört und Hilfe dringend geboten.
Scheckübergabe: Unser Foto zeigt Siegfried Schmidgall, Erich Windhab, Sabine Müller- Esch, Dieter Toder und Schülervertreter: FOT0: ERIKA MELSBACH |
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