Die Aufführung am 16. Dez. 2001 Die Aufführung am 22. Dez. 2001
Über das Werk "Oratorium, welches die heilige Weynacht über in den beiden Haupt-Kirchen zu Leipzig aufgeführet wurde. Anno 1734" - so lautete der Titel des gedruckten Textbuches, das zu den Festgottesdiensten zwischen dem 1. Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphanieasfest vom 6. Januar des folgenden Jahres an den Toren von St. Thomae und St. Nicolai verkauft wurde. In diesen beiden Hauptkirchen von Leipzig wurden die sechs Kantaten, aus denen sich das Gesamtwerk aufbaut, jeweils vormittags und nachmittags aufgeführt, wobei die Reihenfolge abwechselte. Prediger, Sänger, Stadtmusiker und der Kantor, zu dessen Pflichten neben dem Orgelspiel die Komposition von Kantaten, Motetten und Passionen gehörte, waren an diesen Tagen, die einen Höhepunkt des Kirchenjahres und des bürgerlichen Lebens bezeichneten, vollauf beschäftigt. Man ist verlockt, sich einmal in die damalige Funktion und Situation des heute berühmten und den Musikfreunden der ganzen Welt als "Weihnachts-Oratorium" vertrauten Werkes zurückzuversetzen. Zuhörer der ersten Aufführungen waren die Mitglieder der beiden Gemeinden. Nicht ein rein musikalisches Interesse hatte sie in die Kirche geführt, sondern die selbstverständliche Pflicht des geistlichen Jahreslaufes und der Wunsch nach Erbauung. Solche Erbauung fanden sie in erster Linie in der Predigt, in den ihnen vertrauten Worten des Evangeliums, in der im Textbuch nachzulesenden Poesie des Textdichters und schließlich, soweit sie musikalisch waren, in der Musik. Wer Bibelworte und Poesie, aus denen sich zu jener Zeit ein Kantatentext zusammensetzte, vertont hatte, der brauchte im Textbuch gar nicht angegeben zu werden, weil nicht ein neugieriges Konzertpublikum, sondern ausschließlich die Gemeindemitglieder, denen ihr Kantor vertraut war, Zeugen der Aufführung waren. Mit einer gelegentlichen Wiederholung zu gleichem Anlaß konnte man allenfalls rechnen; allerdings erwarteten Bürger und Behörden im allgemeinen, daß der Kantor eine neue Komposition lieferte. Daran, daß Bach und sein Weihnachtsoratorium die Zeiten überdauern, durch globale Verbreitung und Verkündigung in allen Sprachen Weltruhm erlangen könnte, dachten weder Bürger, Behörden, noch der Komponist selbst. Geistliche Musik war Teil des Gottesdienstes; sie diente dem "Ewigen", ohne daß ihr selbst "Ewigkeitswert" zuerkannt worden wäre. Dieser utopische Gedanke lag außerhalb des Bereiches damaliger Vorstellung von Musik. |
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Das "Singener Wochenblatt" zur Aufführung am 16. Dezember 2001 Glanzvolle und harmonische Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium Singen (hd). Bachs Weihnachtsoratorium I-IV und VI wurde eindrucksvoll als Inbegriff der Vorfreude auf das Weihnachtsfest in der Singener Liebfrauenkirche durch das Vokalensemble Gaienhofen, die Kantorei der Evang. Internatsschule Schloss Gaienhofen, der Klassischen Philharmonie Gaienhofen und den Solisten Kathrin-Anna Frey (Sopran), Nicole Fazler (Alt), Markus Müller (Tenor), Christian Feichtmair (Bass) am dritten Adventsonntag zur Aufführung gebracht. Unter der Leitung von Siegfried Schmidgall öffnete sich das Oratorium bereits in der 1. Kantate, eingeleitet von Eingangschor, Pauken, Oboen und Trompeten in strahlendem D-Dur mit prunkvollem Orchestervorspiel zu festlichem Glanz. Die Zuhörer wurden gleich zu Beginn von der Frische und dem enorm vorgelegten Tempo von Chor und klassischer Philharmonie überrascht. Dirigent Siegfried Schmidgall führte Kantorei, Vokalensemble und Orchester mit sicherem Gespür für Takt und Dynamik durch alle Passagen dieser herausragenden Komposition der Weltliteratur. Wohltuend auch die Leichtigkeit, wie der Chor die thematisch verschiedenen Episoden bewältigte. Und das mit überzeugender Klarheit der Intonation und guter Artikulation. Die wohlgeformte Stimmkultur, verbunden mit dem reinen, kraftvollen Streicherklang und dem sensibel dosierten Einsatz der ambitionierten Bläser ließ keine Wünsche offen. Glück im Unglück hatte das Ensemble mit dem Tenor Markus Müller, sonst engagiert am Opernhaus Düsseldorf, der für seinen plötzlich erkrankten Bruder in die Bresche sprang. Markus Müller überzeugte als Evangelist, der den Zuhörern die Weihnachtsgeschichte mit großer Sicherheit und lupenreiner Stimme vermittelte. Zu den Perlen der Aufführung gehörte die Zwiesprache des Tenors mit der bravourös gespielten Querflöte und dem leisen pizzicato der Continuo-Spieler in der Arie »Frohe Hirten, eilt ach eilet...«. Die Altistin Nicole Fazler glänzte mit einer berührenden Stimme, begleitet in einem lyrischen Rezitativ von zwei Oboen. Große gestalterische Kraft war hier spürbar, weittragend und sich immer wieder auch bewusst zurücknehmend. Wunderschön die Korrespondenz mit den Celli in der Arie »Bereite dich, Zion«. Hier zeigte Nicole Fazler ihre besondere Virtuosität und eine konzentrierte Leistung die Respekt verdient. Christian Feichtmaier als Bass gefiel in klarer Diktion, anfangs noch etwas zurückhaltend, erreichte er mit zunehmender Anforderung ein enormes Klangvolumen, das sich im Choral und Rezitativ für Bass und Chor zu meisterlicher Ausstrahlung steigerte. In seiner un-eitlen, ganz auf das Werk konzentrierten Art erfreute Christian Feichtmaier mit einer stimmigen Umsetzung der Bachschen Komposition. Nahezu mühelos gestaltete die Sopranistin Kathrin-Anna Frey die Zwiesprache der Seele mit dem Heiland in der Arie im Teil IV. Ergreifende Zartheit und große Brillanz mit markant akzentuierten Passagen verliehen der Aufführung besonderen Glanz. Die intensive und von großer Stimmschönheit geprägte Interpretation wirkte einfühlsam und bestechend, besonders im Duett Bass-Sopran in Teil III. Souverän zeigte sich die Klassische Philharmonie, gefordert durch rauschende Tempi und Passagen mit lyrischer Kontrastwirkung. Gläsern rein der Streicherklang, mit treibender Dynamik die Celli, Kontrabass und Cembalo. Schöne Klangfarben der Holzbläser, in Korrespondenz mit den strahlenden Trompeten sorgten für eine homogene Gesamtleistung des Orchesters. Glanzvoller Akzent das Solo der ersten Violine im zarten Wechsel mit der Arie der Altistin Nicole Fazler in Teil III. Anzumerken ist noch, dass es für die Solisten einfacher gewesen wäre, auf einem Podium vor dem Orchester zum Publikum hin zu singen. Das Singen über das Orchester hinweg hat sicher zusätzliche Kraft gekostet. Man kann nur wünschen dass Siegfried Schmidgall mit seinem Vokalensemble, der Kantorei und der klassischen Philharmonie Gaienhofen weiter den Elan beibehält, bedeutende Werke der Musikliteratur aufzuführen. Mit dem Weihnachtsoratorium ist dieses Jahr eine besondere Wegmarke anspruchsvoller Klassik gesetzt worden. |
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Der "Südkurier" zur Aufführung am 22. Dezember 2001 Eindrucksvolle Aufführung des Weihnachtsoratoriums in Gaienhofen Wer je einmal in seinem Leben das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört hat, möchte es wohl jedes Jahr, wenn die Weihnachtszeit heranrückt, wieder hören. Kann man sich eine mitreißendere Einstimmung in die hohe Festzeit vorstellen, als wenn es nach den einleitenden Paukenschlägen und Trompetenfanfaren wieder heißt: „Jauchzet, frohlocket'"? Gewiss, es gibt unglaublich viele wunderschöne Weihnachtsmusiken - denken wir nur an die entsprechenden Teile von Handels „Messias" - aber Bachs musikalische Umsetzung der Weihnachtsgeschichte ist doch etwas Besonderes. Und es ist gut, dass sie auch in unserer Region stets irgendwo zur Aufführung gelangt; diesmal in Gaienhofen (und Singen) durch Siegfried Schmidgall und sein Vokalensemble. Zu hören waren alle Kantaten mit Ausnahme der fünften, und sie erfuhren alles in allem eine wirklich gute und befriedigende Wiedergabe. Das Einzige, was man vielleicht tadeln könnte, passierte gleich zu Anfang, im etwas zurückgenommenen Orchester-Auftakt und im allzu staccato, fast abgehackt gesungenen Eingangschor. Doch schon in der Wiederholung war dann der Chorklang flüssiger, und insgesamt verdient das Vokalensemble für seine Leistung großes Lob. Dasselbe gebührt aber auch den Solisten Kathrin-Anna Frey (Sopran), Nicole Fazler (Alt), Christian Wunsch (Tenor) und Christian Feichtmair (Bass). Hervorzuheben ist bei allen vieren die ausdrucksvolle Gestaltung ihrer Rezitative und Arien, das klangschöne Volumen und die sichere Phrasierung. Ein Sonderlob für den Tenor Christian Wunsch, der für Ulrich Müller-Adam kurzfristig eingesprungen war und zusätzlich zu den Arien als Evangelist durch das weihnachtliche Geschehen führte. Klanglich bemerkenswert auch Christian Feichtmair, dessen klare Diktion und sein für die Basslage ungewöhnliches metallisches Timbre überzeugten. Die Damen Kathrin-Anna Frey und Nicole Fazler standen ihren Kollegen mit klangschöner Tonbildung nicht nach, Das Orchester hatte bei den Arien dienende Funktion, die jeweils herangezogenen Soloinstrumente -Trompete, Holz, Violine, Generalbass - erfüllten diese vorzüglich und mit kammermusikalischer Präsenz. Bei den Tutti kam der von Bach gewollte Glanz schön zum Tragen. Volle Klangentfaltung auch bei den Chorälen als den das Geschehen fromm kommentierenden Höhepunkten. Die in der Melodie auf Christi Passion verweisende Frage „Wie soll ich dich empfangen" kam mit anrührender Behutsamkeit. Prunkvoll entfaltete Hochstimmung äußerte sich in der Bitte „Brich an, o schönes Morgenlicht", Größe und vielfach verschlungener Jubel im Gloria „Ehre sei Gott in der Höhe", mächtiger Lobgesang im „Wir, singen dir", prächtig ausgeschmückter Dank im zweifachen „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen", kämpferischer Behauptungswille in der kraftvollen Fuge „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben", angemessene Bescheidenheit im schlichten Bekenntnis „Ich steh an deiner Krippen hier". Noch einmal verbanden sich die vier Solostimmen in der triumphierenden Frage „Was will der Hölle Schrecken nun?", bevor dann mit der Gewissheit „Bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht" das weihnachtliche Oratorium endete. Es hat uns das Evangelium, die Freudenbotschaft, wieder einmal näher gebracht. Dafür herzlichen Dank! Dank, den die vielen Zuhörer, die die Melanchthonkirche bis auf den letzten Platz füllten, mit minutenlangem starkem Beifall abstatteten. Er gebührt allen Mitwirkenden, ganz besonders aber dem Dirigenten Siegfried Schmidgall, der die Aufführung mit kundiger Hand und ausgiebiger Probenarbeit gründlich vorbereitet und sicher geleitet hat. EDGAR MELSBACH |
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