Die Aufführung am 26. Nov. 2000
Über das Werk Johannes Brahms Komponiert 1861-1868 Manche Werke haben in der Musik- geschichte eine solche Popularität erreicht, daß ihre bloße Nennung sofort den dazugehörigen Komponisten assoziiert. Wie bei der h-moll-Messe, dem Weih- nachtsoratorium oder der Neunten Sinfonie ist auch beim Deutschen Requiem sofort jedem Musikliebhaber klar, wer das Werk geschrieben hat. Die Anfänge des Requiems lassen sich bis ins Jahr 1850 zurückverfolgen. Clara Schumann, mit der Brahms eine intensive, leidenschaftliche Beziehung verband, bekam zu Weihnachten 1866 erstmals das bis dahin sechssätzige Werk zu Gesicht. Wenige Tage später schrieb sie an Brahms: „Ich bin ganz und gar erfüllt von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise, wie wenig anderes. Der tiefe Ernst, vereint mit dem Zauber der Poesie, wirkt wunderbar, erschütternd und besänftigend!“ „Ein Deutsches Requiem“ ist frei von liturgischer Bindung und doch entworfen aus tiefer, unorthodoxer Religiosität. Im Gegensatz zum traditionellen Requiem, das eine Meßfeier für die Seele des Verstorbenen darstellt, nimmt im Deutschen Requiem der Gedanke des Trostes und des Mitgefühls neben der Klage einen zentralen Ort ein. Der Trauernde, die Hinterbliebenen werden angesprochen. „Ein Deutsches Requiem“ ist ein Bekenntniswerk, in dem Brahms tiefe persönliche Glaubensinhalte aus dem liturgischen Kontext heraushob. Als Werk des Trostes und der Zuversicht enthebt es Glauben und Religiosität jeglicher institutionalisierter Dogmatik und wendet sich damit an die (auch nichtchristliche) Allgemeinheit. Die Textwahl des Requiems ist außergewöhnlich und einzigartig in der Musikgeschichte. Brahms hat den Text selbst aus der Heiligen Schrift zusammengestellt und seinen Schwerpunkt vor allem auf die menschliche Komponente gerichtet. „Was den Text betrifft, will ich bekennen, daß ich recht gern auch das ‚Deutsch’ fortließe und einfach den ‚Menschen‘ setzte...“ Im Mai 1868 vollendete Brahms sein Requiem und fügte den jetzt fünften Satz, den er „in Gedanken an seine Mutter“ schrieb, in sein Werk ein. Das somit abgerundete siebenteilige Werk wurde am 18. Februar 1869 im Gewandhaus zu Leipzig unter Leitung von Karl Reinecke zum ersten Mal aufgeführt. Dieses Datum markiert zum einen die Geburtsstunde des Gewandhauschores, zum anderen den Anfangspunkt eines beispiellosen Triumphzugs des Requiems – der künstlerische Durchbruch war erreicht. |
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Der Südkurier vom 29.Nov.2000: Mit Kraft und Timbre „Klassische Philharmonie Gaienhofen“ spielte in Meinradskirche Bewundernswerter Mut und erfreuliche Begeisterung brachten es am Totensonntag zu einer Aufführung des „Deutschen Requiem“ op. 45 von Johannes Brahms ( 1833-1897). Siegfried Schmidgall muss als Initiator des mutigen Geschehens angesprochen werden, ohne seine Aktivität würden solche Ereignisse nicht Wirklichkeit werden. Er gründete 1997 die „Klassische Philharmonie Gaienhofen“, die sich aus engagierten Instrumentallehrern und Instrumentenliebhabern sowie aus Internatsschülern zusammensetzt. Hinzu kommt ein großer Chor, dessen Sängerinnen und Sänger sich aus der weit gestreuten Region des westlichen Bodensees und dessen Hinterland zu regelmäßiger Chorarbeit zusammenfinden. Anja Schwarze-Janka führt die Stimmbildung und Alfred Didion unterstützt die Arbeit am Klavier. Brahms schrieb sieben Jahre an diesem Werk von 1861 bis 1868. Den Text stellte sich der Meister selbst zusammen aus der Heiligen Schrift. So ist die Form frei ohne Bindungen an musikgeschichtliche Traditionen. Es strömt aus der Seele von Brahms unmittelbar. Als Gesangsolisten waren Rosemarie Jakschitsch (Sopran) und Markus Eiche (Bariton) gewonnen worden. Ihre Solopartien sind eng mit dem Chor verwoben und man sollte daher nicht so sehr von Solonummern sprechen, wie man es sonst so gerne tut. Beide Sänger fügten sich in der Gestaltung des Ausdrucks fest verwurzelt in das musikalische Geschehen ein. Ihre Stimmen hatten Kraft und rundes Timbre, das die Gestaltung stimmungsvoll intensivierte. Der Chor in seiner klanglichen Geschlossenheit ließ die Aufführung zu einem ergreifenden Erlebnis werden, denn das, was durch den Gesang hindurchstrahlte, hatte Gültigkeit aus sich heraus. Es kann hier nicht darum gehen, einzelne Partien zu nennen, die besser oder schlechter gewesen seien, sondern der innere Ernst jedes Sängers gab die Substanz. Nicht anders war der Eindruck vom Orchester. Die Gruppe der tiefen Instrumente, die wiederholt dunkle Klänge aus dem Nichts erstehen lassen muss, setzte von Beginn an Maßstäbe für die gesamte Gestaltung. Fein nachempfindend bauten die übrigen Instrumentalgruppen die Brahmsche Klangwelt typisch auf. Aus solchem Feinempfinden schloss sich die Wiedergabe. des großen Werkes zu einem Ganzen zusammen. Siegfried Schmidgall führt ohne Aufhebens seine Sängerinnen und Sänger und seine Instrumentalisten sicher und im Ausdruck inspirierend. Langer Beifall, der erst nach einer ergriffenen Stille einsetzte, bestätigte die ernste musikalische Qualität der Aufführung. FRIEDWARD BLUME |
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