Der Südkurier vom 13. Mai 1997:
Eindringliche Aufführung von Mendelssohns Oratorium „Elias“ Eine beeindruckende Aufführung des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy fand am vergangenen Sonntag in der Basilika statt. Ausführende waren der Bassist Markus Eiche, der die Titelpartie sang, die Sopranistin Kathrin Anna Frey, die Altistin Maria Weisser und der Tenor Rüdiger Knöß. Unter der Leitung von Siegfried Schmidgall sangen und musizierten das Vokalensemble Gaienhofen, der Männergesangverein Singen und die Kantorei der Evang. Internatsschule Schloss Gaienhofen sowie die Klassische Philharmonie Gaienhofen. Von unserem Redakteur Anton Wassermann WEINGARTEN - Das Gaienhofener Vokalensemble und die Klassische Philharmonie Gaienhofen sind oberschwäbischen Konzertgängern bislang ebenso wenig ein Begriff gewesen wie der dort als Kantor und Musiklehrer wirkende junge Dirigent Siegfried Schmidgall. Seit dem vergangenen Sonntag dürften dieser Musiker und die von ihm geleiteten Chöre und Instrumentalensembles aus dem benachbarten Hegau beziehungsweise dem Höri auch hierzulande zumindest ein Geheimtipp unter Musikfreunden sein. Siegfried Schmidgall leitete nämlich am Sonntag in der Basilika eine Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys selten zu hörendem Oratorium „Elias“, die zu den eindrücklichsten kirchenmusikalischen Ereignissen in Weingarten gehört. Die Titelpartie vertraute Schmidgall einem erst 28jährigen Sänger an. Doch was dieser junge Mann an stimmlicher Fülle und Ausdruckskraft mitbringt, erlebt man normalerweise nur bei großen Starbesetzungen. Niemand, der Markus Eiche hier die Elias- Partie und die Bassarien singen gehört hat, wäre verwundert, wenn dieser außergewöhnliche Sänger aus St. Georgen im Schwarzwald in ein paar Jahren bei den Bayreuther Festspielen groß herauskäme. Jugendliche Gesangssolisten Aber auch die anderen Solopartien waren dem Werk angemessen besetzt. Der 30jährige Rüdiger Knöß wusste mit einem wunderbar lyrischen, aber gleichwohl fülligen Tenor den mächtigen Kirchenraum zu füllen. Absolut souverän meisterte die erst 24jährige Sopranistin Kathrin Anna Frey ihren schwierigen Part. Auch wenn ihr das lyrische Fach eher entgegenkommt als das hochdramatische, hatte man nie den Eindruck, als ginge sie bis an die Grenzen ihres stimmlichen Potentials. In diesem jugendlichen Umfeld wirkte die Altistin Maria Weiser fast wie eine Mutter, die stolz ihre hochtalentierten Kinder um sich schart und dabei den Beweis erbringt, dass sie sich durchaus mit ihnen messen kann. Ähnlich wie in Bachs Johannespassion tritt der Chor immer wieder in . hochdramatischen Szenen in Dialog mit den Solisten. Wirkte der riesige Chor, der sich über die gesamte Breite des Kuppelraums erstreckte, anfangs noch ein wenig schwerfällig, so gewann er mit zunehmender Dauer der Aufführung immer mehr an Kontur. Der mächtige Nachhall der Basilika mag die Choristen zunächst etwas irritiert haben. Gegenüber dem angesichts der schwierigen akustischen Verhältnisse erstaunlich delikat und durchsichtig musizierenden Orchester wusste sich der Chor etwa ab der Mitte des ersten Teils jedoch als gleichwertiger musikalischer Partner zu behaupten. Je mehr ihm das gelang, desto konturenreicher wurde auch sein Gesang. Chor und Orchester verschmolzen zu einer Einheit, die das alttestamentarische Wirken des eifernden Gottesmannes Elias in leuchtenden Farben schildert. Siegfried Schmidgall wusste die musikalischen Akzente behutsam so zu setzen, dass bis zum betörenden Schlusschor mit seiner Verheißung des kommenden Erlösers eine kaum bewusst wahrnehmbare Steigerung eintrat. Das Publikum, von dem ein erheblicher Teil aus dem Bekanntenkreis der Mitwirkenden stammen dürfte, hielt es nach dem Schlussakkord nicht lange auf den Sitzen. Ein wenig schade war nur, dass es seine Begeisterung nicht so lange bezähmen konnte, bis das musikalische Erlebnis innerlich ausgeschwungen hatte. |
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