Konzertbericht von Josef Michel
Der Südkurier vom 17. Dez. 1997: Jauchzet, frohlocket Festliches Weihnachtsoratorium Radolfzell (ran). Am vergangenen Wochenende wurde das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Melanchthonkirche Gaienhofen und in der St. Meinradskirche in Radolfzell aufgeführt. Unter der Leitung von Kantor Siegfried Schmidgall sangen und spielten das Vokalensemble Gaienhofen, die Kantorei der Evang. Internatsschule Schloss Gaienhofen sowie die Klassische Philharmonie Gaienhofen und einige Gesangssolisten.. Insgesamt boten an den beiden Auftritten über 150 Musikerinnen und Musiker ihr Können dar. Die Zuschauer waren sich am Ende des Konzertes einig: Ihnen hatte es, so konnte man hören, gefallen und sie hatten auch allen Grund, zufrieden zu sein. Souverän leitete S. Schmidgall, Kantor und Musiklehrer an der Internatsschule, die bunt gemischte Gruppe der Musiker, die ein wirklich hörenswertes Ganzes ergab. . Die Mitglieder des Vokalensembles kamen dabei überwiegend aus Gaienhofen oder der Höri und zwar als „Lehrer der Internatsschule oder als sangesfreudige Gemeindemitglieder“ wie es im Programm hieß. Und gerade sie - und nicht unbedingt die Solisten - waren es, die bei den bisherigen beiden Konzerten begeisterten. Mit viel Dynamik und Elan sang der Chor und präsentierte in den jeweils vollen Kirchen ein breites und mächtiges Klangspektrum. Vom lebendigen „Jauchzet, frohlocket“ zu Beginn, über etwas ruhigere Stücke, wie dem „Ich steh an deiner Krippen“, bis hin zum feierlichen Schlußchoral: Man merkte vielen Sängerinnen und Sängern die Freude am Musizieren an. Eine erstaunliche Leistung für ein nicht aus Berufsmusikern bestehendes Vokalensemble, welches von der Kantorei der Internatsschule unterstützt wurde. Die Klassische Philharmonie Gaienhofen mit ihrem ersten Geiger R. Oscher setzt sich zum größten Teil aus Lehrern und Schülern von Musikschulen des Landkreises Konstanz zusammen. Dieses Orchester wurde 1997 neu gegründet. Die vier Gesangssolisten der Aufführungen waren A. Schwarze - Janka, R. Knöß, B. Kasper und W. Metzger. Natürlich tauchten auch der eine oder andere kleine Fehler auf, diese fielen jedoch insgesamt kaum ins Gewicht. Denn die Musiker und vor allem ihr Leiter Siegfried Schmidgall hatten einen enormen Kraftakt geleistete und ein eindrucksvolles Weihnachtsoratorium gespielt, dessen ersten bis dritten und sechsten Teil es zu hören gab. Wer bis jetzt noch nicht dabei sein konnte, hat eine letzte Chance am 21.Dezember um 17 Uhr in der Friedenskirche in Singen. |
| Zurück zur Übersicht |
|
Konzertbericht von Josef Michel: Minutenlanger begeisterter Beifall dankte für eine mitreißende Aufführung des Bachschen Weihnachtsoratoriums (I-III und VI) durch das stattlich angewachsene „Gaienhofener Vokalensemble“ und wagemutige Kantoreischüler (III und VI) unter Leitung des unternehmungslustigen, jungen Kantors der Schloßschule Gaienhofen Siegfried Schmidgall. Es ist offenbar ein Hunger nach qualifizierter Chorarbeit im Land und Schmidgall ist durchaus der Mann, der ihn zu befriedigen versteht. Wer hätte je gedacht, daß ausgerechnet die Höri zu einer solchen Leistung befähigt werden könnte. Die Aufführung in Gaienhofen und ihre Wiederholung in der Radolfzeller St. Meinradskirche (wir hörten die letztere) legten dafür eindrucksvoll Zeugnis ab. Und die Mitwirkenden schonten sich nicht. Geduldig nahmen sie die benötigten Proben und Probenwochenenden auf sich, geradezu eine „Knochenarbeit“. Zumal wenn man bedenkt, daß vor kurzem erst Mendelssohns „Elias“ auf dem Programm stand. Selbst erfahrene Konzertchöre muten sich das nicht zu. Die Menge der Singbegeisterten wirft aber auch Probleme auf. Der massige Klang - vom Publikum begeistert gefeiert - entspricht nach heutiger Forschung wohl kaum den Vorstellungen des Urhebers. Selbst wenn man unterstellt, Bach hätte gern etwas mehr befähigte Thomaner für seine Aufführungen gehabt, so ist doch der Duktus seiner Musik auf polyphone Durchsichtigkeit und Ausgewogenheit der klanglichen Verhältnisse angelegt. Die Massierung des Klangs bevorzugt stattdessen die Außenstimmen, vieles von den Feinheiten der genau so wichtigen Mittelstimmen droht dabei verloren zu gehen. Seine Zeitgenossen haben Bach deswegen geradezu angeklagt und ihn bezichtigt, seine Musik sei zu „gelehrt“ und entbehre den „natürlichen“ Fluß einfacher Stimmführung. Für Johann Sebastians jüngsten Sohn Johann Christian (den Mentor des jungen Mozart) war der „Alte“ deshalb nur ein „alter Zopf“, den es zu überwinden galt. Damit soll aber nun nicht die große Leistung Schmidgalls und seines Ensembles kleinlich bekrittelt werden. Was bleibt einem Chorleiter schon anderes übrig, wenn die Singbegeisterten sich in so großer Zahl zusammenschließen. Selbst in Großstädten kann man gelegentlich immer noch derartige „Massendemonstrationen“ hören. Das insgesamt hochqualifizierte Orchester - aus der Region bis hin nach Stuttgart herbeizitiert (eine beachtliche organisatorische Leistung), bestehend aus Streichern, Holz- beziehungsweise Blechbläsern und Continuo, überstrahlte das Ganze mit fest- lichem Glanz. Die St. Meinradskirche mit ihrer schwierigen Akustik schien ob dieser Klangfülle mitunter geradezu zu bersten: Die Instrumentalisten aber nun gleich zur „Klassischen Philharmonie Gaienhofen“ hochzustilisieren scheint doch zu gewagt. Auch hier soll die Leistung der einzelnen Gruppen keineswegs geschmälert werden. So boten das „Oboenensemble Karl Friedrich Wentzel“ (wunderschön transparent Bachs „Hirtenmusik“), die bravourösen Blechbläser(Mitglieder des „Auenwald-Brass-Ensembles“) in mehreren Chören und der überwälti-genden Arie „Großer Herr und 'starker König“ (Baßsolist Wemer Metzger), Flöten, Streicher, Pauke, Cembalo (Alfred Didion) und Continuo-Orgel (Holger Springsklee) ausgezeichnete Gesamt- und Einzelleistungen. Es war ersichtlich, daß darunter mancher Profi versteckt war. Die Einschätzung der Gesangssolisten hängt sehr von persönlichen Vorstellungen ab. Da gibt es Sänger, denen das Ariose auf den Leib geschrieben zu sein scheint, andere denen besonders das Bachsche „Parlando“ entspricht.Insofern waren die Gewichte bei Anja Schwarze-Janka (Sopran), Barbara Kasper (Alt), Rüdiger Knöß (Tenor) und dem schon genannten Werner Metzger (Baß) durchaus verteilt. Bach hat sein Werk zwar selber als Oratorium bezeichnet, es aber nie geschlossen, sondern auf die Sonntage des Weihnachtsfestkreises verteilt aufgeführt. Erst über ein Jahrhundert später fand die erste bezeugte Gesamtaufführung und einige Jahre darauf bereits in England statt. Seither gilt das Bachsche "Weihnachtsoratorium", obwohl davon 19 Teile rein weltlichen Ursprungs sind, als die lebendigste und mitreißendste musikalische Verkörperung der Weihnachtsbotschaft. Sie nun mit überwiegend eigenen Kräften so lebendig und dynamisch anfeuernd wieder in unsere Region gebracht zu haben, bleibt das Verdienst Siegfried Schmidgalls. |
| Zurück zur Übersicht |
| Konzert - Chronik |
| CD - Bestellung |
| Chor - Reisen |
| Sonstige Aktivitäten |
| Chor - Leben |